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Forschungsdatenbank Wehrmacht

Für das Bundesarchiv Berlin haben wir eine elektronische Quellenedition erstellt, die personenbezogene Daten von Wehrmacht, Waffen-SS und Luftwaffe – den bewaffneten Formationen des „Dritten Reiches” – überregional erschließt.

Das Portal ist nicht öffentlich, sondern richtet sich an Sozial-
wissenschaftler und Historiker, die nun im Bundesarchiv elektronisch recherchieren können. Dort werden bis dahin getrennte Bestände nicht nur zusammengeführt. Vielmehr werden etwa vier Millionen Einzelakten personenbezogen so miteinander verbunden, daß die unterschiedlichen Sichtweisen und Blickwinkel der Quellen miteinander in Dialog treten. Das Portal ist damit die Grundlage für künftige Forschungsarbeiten, deren Ergebnisse neue Einblicke in eine Zeit geben werden, mit der es sich weiter auseinander-
zusetzen gilt.

Das Lehr- und Forschungsgebiet Wirtschafts- und Sozialgeschichte der RWTH Aachen hat in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt Wehrstammbücher von Mannschaftssoldaten und Unteroffizieren der Wehrmacht, der Waffen-SS und der Luftwaffe digitalisiert und inhaltlich erschlossen. Analog haben Projektmitarbeiter Erkennungsmarkenverzeichnisse und Verlustunterlagen der Deutschen Dienststelle sowie der Heimkehrerkartei und der Vermißtenbildliste des Deutschen Roten Kreuzes aufbereitet. Alle Bestände hat semantics schließlich mit Visual Library vereinheitlicht und zusam-
mengeführt.

In den Personalunterlagen finden sich formalisierte Angaben zum Leben, Überleben oder Sterben von Soldaten und Offizieren. Die Einzelbiographien erreicht der Nutzer des Portals über einen Navigationsbaum, der zunächst nach Beständen und Stichproben, auf der nächsten Ebene alphabetisch sortiert ist. Jede Einzelbiographie kann schließlich Personalstammdaten einschließlich Konfession, Schulbildung und Beruf enthalten, Angaben zu Eltern und Geschwistern, zu Familienstand und Kindern, zur NS-Organi-
sation und Vorstrafen, zur Musterung, zu medizinischen Befunden und Körpermaßen, zum Reichsarbeitsdienst, zu Dienststellen und Dienstgrad, Orden und Auszeichnungen, zu Strafen und Entlassungen, zu Verwundungen oder Tod, sowie zur Vermißtenmeldung oder Kriegsgefangenschaft.

Neben dem Navigationsbaum und der einfachen Suche können Wissenschaftler auch die Detailsuche nutzen, um Datensätze nach bestimmten Kriterien zu filtern und für ver-
gleichende Analysen zusammenzustellen. Entsprechend komplex ist die Detailsuche konzipiert: Vier Suchbegriffe können über drei Relationen und neun Operatoren mitein-
ander verknüpft werden. Die Treffermenge wird in einer Liste ausgegeben, die Links in den Navigationsbaum enthält. Über diesen kann dann jede Einzelbiographie, die den Kriterien der Suchabfrage entspricht, geöffnet und analysiert werden. So lassen sich detaillierte biographische Skizzen rekonstruieren, die wiederum Kriegs- und Vorkriegs-
biographien sichtbar machen.

Wissenschaftlichen Teams und Einzelforschern steht damit eine umfangreiche sozialhistorische Datenbasis zur Verfü-
gung, mit der nun geht, was vorher schon aufgrund der räumlichen Trennung der Bestände unmöglich war: schnell und ohne größeren Erschließungsaufwand recherchieren – nicht nur zu institutionellen und sozialen Strukturen innerhalb der Wehrmacht.

Bild Dieses Projekt wird von der DFG gefördert.


Bild Das Portal zur Forschungsdaten-
bank Wehrmacht wird mit Visual Library realisiert.

Kontakt:
Till Schicketanz
Tel.: +49 241 89 49 89 38
eMail: t.schicketanz@semantics.de

 
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