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Vorwort
Die Frage, was Kommunikationsmanagement sei, mag angesichts der Fülle der Literatur zum Thema verwundern. Denn daß man über etwas schreibt, setzt normalerweise doch voraus, daß man weiß, worüber man schreibt. Doch kann es sich - wie man weiß - auch anders verhalten: die Fülle des Geschriebenen ist Indiz dafür, daß der Gegenstand der Klärung bedarf.
Im Fall des Kommunikationsmanagements verhält es sich ohne Zweifel so. Der Grund dafür liegt weniger im Begriff des Managements. Der macht kaum Probleme: Man muß Dinge regeln, die sonst aus dem Ruder laufen würden. Probleme macht der Begriff der Kommunikation: der Gegenstand ist uns zu nah. Es fehlt die ‚mittlere' Distanz, die der Maler braucht, um sein Objekt zu erkennen, das Gesicht, das er porträtieren will. Ist er ihm zu nah, sieht er kein Gesicht mehr, nur Haut und Poren. Ist er zu weit weg, verliert das Gesicht die Züge, die er sehen muß, um es malen zu können.
Kommunikation ist das Medium menschlichen sozialen Lebens. Jegliche Erkenntnisleistung - das hat Wittgenstein klargemacht - ist eingebettet in kommunikatives, namentlich sprachliches Handeln. Dieses ist daher als Kommunikation kaum zu fassen. Zudem führt uns hier eine Homonymie in die Irre: Wir reden auch von ‚technischer' Kommunikation. Diese ist uns viel ferner und läßt sich in technischen Modellen beschreiben. So denkt man sich menschliche Kommunikation nur zu leicht nach dem Modell der technischen.
Hier liegt der zentrale Kategorienfehler, den man bei diesem Thema begehen kann. Technische Kommunikation funktioniert anders als die Kommunikation von Menschen. Diese bedarf der Sprache oder anderer Zeichenmedien. In technischer Kommunikation kommen Zeichen im eigentlichen Sinn des Wortes nicht vor.
Die Frage, was Kommunikation ist, ist also kategorialer Natur. Die Antwort kann daher nur auf dem Wege kategorialer Klärung gewonnen werden. Der Ansatz dieser Studie ist somit ein philosophischer. Mit dem Mitteln der modernen Philosophie werden zunächst Klärungen der Grundbegriffe Sprache, Medium, mündliche und schriftliche Kommunikation gewonnen. Und es wird verdeutlicht, daß die institutionellen Formen sozialer Organisation das in besonderer Weise prägen, was sich dort an Kommunikation entwickelt.
Erst dieser Zugang zum Thema eröffnet - dies die zentrale Aussage der Studie - die Problemdimensionen, die man verstanden haben muß, um Kommunikationsmanagement auch auf technischem Niveau entwickeln und praktizieren zu können. Die von semantics entwickelte Lösung - Corporate Library - wird von diesem Frageansatz her in ihrer Logik vorgestellt. Insofern zeigt die Studie, wie man mit den entsprechenden philosophischen, logischen und linguistischen Mitteln eine ‚interne' Sicht des Problems gewinnen kann - und damit Zugang zu Lösungen.
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